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Fachkräfte finden: was in Deiner Hand liegt

Fachkräfte finden: was in Deiner Hand liegt

7 Min. Lesezeit

Der Arbeitsmarkt für Kfz-Mechatroniker ist leer, und daran ändert Dein Betrieb nichts. Was er ändern kann, sind vier Dinge: ob er selbst ausbildet, wie planbar der Feierabend ist, womit in der Halle gearbeitet wird und in welchem Zustand ein Auftrag an der Hebebühne ankommt. Diese vier entscheiden, ob sich jemand meldet und ob er nach vier Wochen noch da ist.

Werkstattalltag ohne Zettelwirtschaft?

Aufträge, Arbeitswerte, Teile und Rechnungen in einem System. Von der Annahme bis zur E-Rechnung, ohne doppelte Erfassung.

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Über den Mangel ist alles gesagt. Du merkst ihn seit Jahren an derselben Stelle: Die Anzeige läuft acht Wochen, es kommen drei Bewerbungen, zwei davon passen nicht, und der dritte springt in der Probezeit ab. Ein weiterer Text darüber, dass Fachkräfte knapp sind, hilft Dir an keiner dieser drei Stellen.

Interessant ist die andere Frage: Warum entscheidet sich ein Mechatroniker, der überall unterkommt, ausgerechnet für einen Betrieb mit sieben Leuten — und warum bleibt er dort? Die Antworten sind unspektakulär und liegen fast alle in Deinem Betrieb, nicht am Markt. Sie kosten Geld oder Disziplin, meistens Disziplin.

Vier Hebel, die Dir gehören

Ein Betrieb mit zwei bis zwanzig Leuten kann weder den Markt noch das Lohnniveau der Hersteller verändern. Er kann vier Dinge verändern, und die unterscheiden sich stark darin, was sie kosten und wie schnell sie wirken.

HebelWas er kostetAb wann er wirkt
Selbst ausbildendreieinhalb Jahre Vorlauf, Vergütung, Ausbilderzeitab dem dritten Lehrjahr, dann dauerhaft
ArbeitszeitmodellPlanungsdisziplin, keine Anschaffungsofort, schon in der Stellenanzeige
Werkzeug und Zugängelaufendes Budget, jedes Jahr wiederam Probearbeitstag, nicht im Gespräch
ÜbergabequalitätZeit an der Auftragsannahmeab der zweiten Woche spürbar

Auffällig ist die mittlere Spalte. Zwei der vier Hebel kosten kein Geld, sondern Konsequenz — und genau die werden in Gesprächen mit abgesprungenen Bewerbern am häufigsten genannt. Wer nur über das Gehalt nachdenkt, spielt auf dem einzigen Feld, auf dem ein kleiner Betrieb strukturell verliert.

Der Mangel ist nicht Dein eigentliches Problem. Dein Problem ist, dass der eine, der sich gemeldet hat, nach vier Wochen wieder geht.

Ausbildung ist der einzige Zulauf, den Du selbst erzeugst

Jeder andere Weg holt jemanden, den ein anderer Betrieb ausgebildet hat. Das funktioniert, solange genug ausgebildet wird — und genau dort geht die Rechnung seit Jahren nicht mehr auf. Wenn Du in fünf Jahren einen Gesellen brauchst, stellst Du in eineinhalb Jahren einen Azubi ein.

Die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker dauert dreieinhalb Jahre. Das klingt nach viel Vorlauf, bis man es gegen die Alternative rechnet: Eine unbesetzte Stelle kostet Dich nicht einmalig dreieinhalb Jahre, sondern jedes Jahr aufs Neue den Umsatz, den die vorhandenen Leute nicht mitnehmen können.

Zwei Punkte werden dabei regelmäßig unterschätzt. Erstens ist die Übernahmequote der eigentliche Hebel, nicht die Ausbildungsquote: Ein Betrieb, der ausbildet und danach niemanden hält, hat für die Konkurrenz gearbeitet. Zweitens ist ein Azubi im dritten und vierten Jahr längst produktiv — er ist keine reine Investition, sondern trägt sich zu einem erheblichen Teil selbst, sofern seine Arbeit vollständig auf den Auftrag kommt.

Genau daran hakt es oft. Wenn die Stunden und die Teile, die ein Azubi verbaut hat, nicht auf der Rechnung landen, wirkt die Ausbildung teurer, als sie ist. Was dabei alles stillschweigend untergeht, steht unter Ersatzteile und Material abrechnen.

Ausbildung ist der einzige Zulauf, den Du selbst erzeugst — Fachkräfte finden: was in Deiner Hand liegt

Arbeitszeit ist das Argument, das ein Konzern nicht kopieren kann

Ein großes Autohaus kann Dich beim Gehalt überbieten. Beim Dienstplan kann es das schwerer, weil dort Öffnungszeiten, Schichtmodelle und Vorgaben von oben festliegen. Ein Betrieb mit acht Leuten kann entscheiden, dass freitags um vierzehn Uhr Schluss ist — und sich daran halten.

Der gesetzliche Rahmen dafür ist enger, als viele denken, und gleichzeitig beweglicher:

  • Acht Stunden werktäglich sind die Regel nach dem Arbeitszeitgesetz. Zehn sind zulässig, wenn im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten oder vierundzwanzig Wochen acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.
  • Elf Stunden Ruhezeit liegen zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn. Die Verkürzung auf zehn Stunden, die das Gesetz kennt, gilt für bestimmte Bereiche wie Krankenhäuser oder Gaststätten — eine Kfz-Werkstatt gehört nicht dazu.
  • Der Samstag ist ein Werktag. Eine Sechs-Tage-Woche mit acht Stunden ist arbeitszeitrechtlich zulässig; sie ist nur selten das, womit man jemanden gewinnt.

Aus diesem Rahmen lassen sich Modelle bauen, die ein Bewerber sofort versteht: eine feste Vier-Tage-Woche mit längeren Tagen, versetzte Anfangszeiten, damit nicht alle gleichzeitig in der Annahme stehen, oder ein Gleitzeitkorridor um den Kernbetrieb herum. Was Du zusagst, musst Du halten — ein Modell, das in der ersten Saisonspitze kassiert wird, richtet mehr Schaden an als gar keines; es hält nur, solange die Terminvergabe die Spitze vorher einkalkuliert.

Werkzeug und Zugänge: woran ein Mechatroniker Deinen Betrieb misst

Ein guter Mechatroniker braucht keine zwanzig Minuten in Deiner Halle, um zu wissen, wie hier gearbeitet wird. Er sieht, ob das Diagnosegerät aktuell ist, ob die Bühne verlässlich läuft, ob Werkzeug zurückkommt und ob jemand die Herstellerzugänge bezahlt oder ob man sich durchfragt.

Das ist keine Eitelkeit, sondern seine Arbeitsgrundlage. Wer an einem aktuellen Fahrzeug ohne Zugang zu den Herstellerinformationen arbeitet, verbringt den Tag mit Suchen statt mit Reparieren — und das ist die häufigste Begründung von Leuten, die aus einem kleinen Betrieb wieder weggegangen sind.

Wo ein knappes Budget am teuersten spart

  • Diagnose und Herstellerzugänge. Die Frage ist nicht, ob man sie sich leistet, sondern welche Arbeiten man ohne sie schlicht ablehnen muss.
  • Hebebühnen pro Kopf. Zwei Monteure an einer Bühne heißt, dass einer wartet. Das steht in keiner Statistik, aber sinngemäß in jeder zweiten Kündigung.
  • Spezialwerkzeug für das, was oft vorkommt. Was dreimal im Jahr gebraucht wird, leiht man. Was jede Woche gebraucht wird, kauft man.
  • Ordnung im Teilelager. Suchzeit ist bezahlte Zeit, die niemand abrechnen kann — und sie geht zulasten derer, die suchen.

Ob eine Anschaffung sich trägt, ist eine Rechnung über Deinen aus Kosten und produktiven Stunden hergeleiteten Stundenverrechnungssatz und über die Zahl der Stunden, die sie freiräumt oder überhaupt erst möglich macht. Der Stundenverrechnungssatz-Rechner zeigt, wie viel produktive Zeit sie dafür einbringen muss.

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Die Übergabe an der Theke entscheidet über den Tag in der Halle

Der Punkt, der zwischen Betrieben am stärksten streut und in Stellenanzeigen nie vorkommt: In welchem Zustand kommt ein Auftrag in der Halle an? Steht darauf, was der Kunde geschildert hat, was vereinbart wurde, welche Ausstattung das Fahrzeug hat, wo die Teile liegen? Oder steht darauf: macht komische Geräusche?

Ein Monteur, der pro Auftrag zweimal zurücklaufen und einmal beim Kunden anrufen muss, verliert nicht nur Zeit. Er verliert die Kontrolle über seinen Tag — und das ist der Faktor, den Leute im Austrittsgespräch als Erstes nennen, lange vor dem Gehalt.

Eine ordentliche Übergabe braucht keine große Software, sondern eine feste Reihenfolge: Kundenangaben wörtlich aufnehmen, den vereinbarten Umfang festhalten, den Kostenrahmen dokumentieren, die Teileverfügbarkeit klären, bevor das Fahrzeug auf die Bühne kommt. Was davon rechtlich bindet und was nicht, steht unter Kostenvoranschlag: wie verbindlich er wirklich ist. Wie sich diese Reihenfolge im Auftrag abbilden lässt, zeigt die Werkstattsoftware.

Was in einer Anzeige tatsächlich gelesen wird

Bewerber filtern in dieser Reihenfolge: Arbeitszeit, Bezahlung, Ausstattung. Alles andere lesen sie erst, wenn diese drei stimmen. Eine Anzeige, die mit einem familiären Team und spannenden Aufgaben beginnt und die Arbeitszeit verschweigt, wird von genau den Leuten übersprungen, die Du suchst.

Schreib stattdessen hin, was da ist: Wochenarbeitszeit und ihre Lage, ob samstags gearbeitet wird und in welchem Turnus, welche Diagnosetechnik im Haus ist, wie viele Bühnen auf wie viele Monteure kommen, welche Fortbildung im ersten Jahr vorgesehen ist. Eine Gehaltsspanne kostet Dich weniger als acht Wochen ohne Bewerbung.

Probearbeiten: wo die Grenze verläuft

Ein Schnuppertag ist ein sinnvolles Mittel, beide Seiten sehen mehr als in zwei Gesprächen. Unbezahlt ist er nur, solange er ein reines Kennenlernen bleibt: zusehen, Fragen stellen, ohne Eingliederung in den Arbeitsablauf und ohne Weisungen. Sobald der Bewerber produktiv mitarbeitet, ist es ein Arbeitsverhältnis mit allem, was dazugehört — Vergütung und Anmeldung eingeschlossen, unabhängig davon, was auf dem Zettel steht. Den Versicherungsschutz klärst Du vorher mit Deiner Berufsgenossenschaft, nicht hinterher.

Am Markt änderst Du nichts, an vier Dingen im eigenen Betrieb schon. Wenn Du in diesem Jahr nur eines davon anfasst, nimm die Übergabe an der Theke: Sie kostet keine Anschaffung, wirkt innerhalb von zwei Wochen und ist zugleich der Grund, aus dem Leute wieder gehen. Den Ausbildungsplatz für übernächstes Jahr schreibst Du trotzdem gleich aus — dieser Hebel braucht den längsten Vorlauf und ist der einzige, der dauerhaft trägt.

Werkstattalltag ohne Zettelwirtschaft?

Aufträge, Arbeitswerte, Teile und Rechnungen in einem System. Von der Annahme bis zur E-Rechnung, ohne doppelte Erfassung.